Mehrkostenforderungen beherrschen
Die Klammer im Buchtitel ist Programm
Mehrkostenforderungen sollen durch gute Ausschreibungen, klare Verträge und professionelle Projektabwicklung möglichst vermieden werden. Lassen sie sich nicht vermeiden, müssen ihre Ursachen früh erkannt, ihre Folgen begrenzt und die erforderlichen Anpassungen sachgerecht ermittelt werden.
Für den AG beginnt das Mehrkostenmanagement daher bereits bei der Ausschreibung. Klare Leistungsbeschreibungen, abgestimmte Vertragsunterlagen, eine realistische Terminplanung und eine nachvollziehbare Risikozuordnung schaffen die Grundlage für eine geordnete Bauabwicklung. Während der Ausführung kommt es auf rechtzeitige Planlieferungen, wirksame Koordination, rasche Entscheidungen und die professionelle Prüfung und Behandlung von Leistungsabweichungen an.
Für den AN beginnt das Mehrkostenmanagement mit der Angebots- und Vertragsprüfung. Er muss die übernommenen Risiken sowie die Rechte und Pflichten beider Vertragspartner kennen. Während der Bauausführung gilt es, Ursachen für Mehrkosten und Fristverlängerungen rasch und zielsicher zu erfassen, professionell zu reagieren, die Rechtsposition durch Mitteilungen und Vorbehalte zu sichern und die Auswirkungen entsprechend zu dokumentieren. Erst darauf lässt sich eine schlüssige und prüfbare Forderung aufbauen.
Diesen gesamten Weg vermittelt das Buch. Es verbindet Vertragsgestaltung, Terminplanung, Kalkulation, Bauabwicklung, Dokumentation, Anspruchsgrundlagen und Berechnungsmethoden.
Auftraggeberseite
Nutzen für den AG
AG, ÖBA und Projektsteuerung erhalten eine Arbeitsgrundlage, um
- Ausschreibungen und Leistungsbeschreibungen klar und widerspruchsfrei zu gestalten
- Leistungsumfang und Umstände der Leistungserbringung ausreichend zu beschreiben
- Vertragsbestandteile, Pläne und Leistungsverzeichnisse aufeinander abzustimmen
- Risiken sachgerecht zuzuordnen und unnötige Risikozuschläge zu vermeiden
- realistische Leistungsfristen und Terminpläne vorzugeben
- Planlieferungen, Freigaben, Vorleistungen und Entscheidungen rechtzeitig zu organisieren
- Leistungsänderungen und Störungen frühzeitig zu erkennen und ihre Folgen zu begrenzen
- Mehr- und Minderkostenforderungen rechtlich und bauwirtschaftlich zu prüfen
- unzureichend begründete Forderungen von schlüssig hergeleiteten Ansprüchen zu unterscheiden
- Entgelt- und Fristanpassungen nachvollziehbar zu verhandeln und zu entscheiden
Sachgerechtes Anti-Claim-Management bedeutet nicht die pauschale Abwehr von Forderungen. Es beginnt mit einer guten Ausschreibung und einer Projektorganisation, die klare Zuständigkeiten, rasche Entscheidungen und eine nachvollziehbare Vertragsfortschreibung ermöglicht.
Auftragnehmerseite
Nutzen für den AN
AN erhalten eine durchgängige Methodik, um
- Risiken aus Vertrag, Leistungsbeschreibung, Preisart und Terminplan zu erkennen
- das geschuldete Bau-Soll und die übernommenen Risiken richtig einzuordnen
- Rechte und Pflichten des AG sowie die eigenen Mitwirkungs-, Prüf-, Warn- und Anzeigepflichten zu kennen
- Unklarheiten und technisch oder kalkulatorisch problematische Vorgaben rechtzeitig aufzuzeigen
- Leistungsänderungen, Störungen und Mengenabweichungen frühzeitig zu erkennen
- Mehrkosten und Fristfolgen dem Grunde nach rechtzeitig anzumelden
- erforderliche Vorbehalte sachgerecht zu formulieren
- Störungsursachen, Leistungsbereitschaft und Auswirkungen beweissicher zu dokumentieren
- Kausalität zwischen Ereignis, Leistungsabweichung und wirtschaftlicher Folge darzustellen
- Preisgrundlagen fortzuschreiben und Mehr- oder Minderkosten prüffähig zu berechnen
Eine bloße Darstellung höherer Kosten genügt nicht. Eine schlüssige Forderung verbindet vertragliche Ausgangslage, Ursache, Risikozuordnung, konkrete Auswirkung, Dokumentation und Berechnung.
Problemstellungen der Baupraxis
Was kann im Projekt passieren?
Das Buch behandelt typische Problemstellungen der Baupraxis und zeigt, wie sie einzuordnen, zu dokumentieren und wirtschaftlich zu lösen sind. Dazu zählen insbesondere
- unklare, unvollständige oder widersprüchliche Ausschreibungsunterlagen
- Unterschiede zwischen Leistungsverzeichnis, Plänen und Vertragsbedingungen
- unklare Leistungsbeschreibungen, Nebenleistungen und einzurechnende Leistungen
- funktionale Leistungsbeschreibungen und Vollständigkeitsklauseln
- fehlerhafte Mengenansätze und nicht nachvollziehbare Mengenermittlungen
- unklare oder unwirksame Risikoüberwälzungen
- Kalkulationsfehler, Preisaufgliederungsfehler und offengelegte Kalkulationsannahmen
- ungeeignete Preisarten oder problematische Pauschalpreisvereinbarungen
- verspätete Auftragserteilung und Arbeitsbeginn bei offenen Vertragspunkten
- verzögerter Leistungsbeginn und Verschiebung der vorgesehenen Ausführungszeit
- fehlende oder verspätete Pläne, Freigaben, Vorleistungen und Entscheidungen
- Änderungen von Plänen, Qualität, Menge, Bauverfahren oder Ausführungsreihenfolge
- zusätzliche Leistungen und geänderte Leistungen
- bloße Mengenabweichungen ohne Leistungsänderung
- Überschreitung oder Unterschreitung der 20-%-Grenze bei Einheitspreisen
- Leistungsentfall und Leistungsminderung
- Verschiebung einzelner Vorgänge innerhalb des Terminplans
- Änderung von Zwischenterminen oder der Leistungsfrist
- Terminplanrevisionen und ein „über den Haufen geworfener“ Bauablauf
- Baustopp, Unterbrechung und späterer Wiederbeginn
- zerrissene, diskontinuierliche oder kleinteilige Leistungserbringung
- fehlende Arbeitsbereiche und verspätete Übergabe von Baufeldern
- erschwerte Materialanlieferung, eingeschränkte Transportwege und geänderte Baustellenlogistik
- verlorene Pufferzeiten und Veränderungen des kritischen Wegs
- Fristverlängerung und Verschiebung in eine andere Jahreszeit
- außergewöhnliche Witterung und witterungsbedingte Produktivitätsverluste
- Anordnung von Mehrarbeit, Überstunden, Schichtarbeit oder Personalaufstockung
- Forcierung und Beschleunigung der Leistungserbringung
- Leistungsverdichtung durch erhöhten Ressourceneinsatz
- Leistungsverdünnung durch geringeren Ressourceneinsatz
- Produktivitätsverlust durch übermäßige Personalaufstockung
- verlorene Einarbeitung nach Unterbrechungen oder Personalwechsel
- Verkürzung des erlösbringenden Arbeitszeitfensters
- Stillstände, Wartezeiten und Bereitschaftskosten
- längere Vorhaltung von Personal, Geräten und Baustelleneinrichtung
- zusätzliche oder länger anfallende Baustellengemeinkosten
- Umlage und Rückrechnung von Baustellengemeinkosten
- Bauleitungskosten und zeitgebundene Baustellengemeinkosten
- Verlust von Deckungsbeiträgen zu Geschäftsgemeinkosten
- zusätzliche Vorfinanzierungskosten und Bauzinsen
- verzögerte Prüfung, Beauftragung oder Zahlung einer Mehrkostenforderung
- Festpreisbindung bei verzögertem Beginn oder verlängerter Leistungsfrist
- Verschiebung des Leistungsschwerpunkts innerhalb der Festpreisphase
- Veränderung des Leistungsgebirges
- ungeeignete Indizes oder Preisumrechnungsgrundlagen
- neue Kostenarten und diskontinuierlicher Materialeinsatz bei veränderlichen Preisen
- hybride Preisvereinbarungen mit Festpreisphase und anschließender Preisumrechnung
- Kostenüberschreitungen beim Kostenvoranschlag
- Mengenrisiken beim Einheits- und Pauschalpreisvertrag
- Leistungsänderungen trotz Pauschalpreis
- Änderungen des Bewehrungsgrads oder der Kaliberverteilung
- Änderungen von Bauteilgewicht, Bauteilgröße oder Montagekomplexität im Stahlbau
- Mehrkosten von Subunternehmern, Vergabegewinne und Vergabeverluste
- überlagernde Ursachen, kumulative Störungen und multikausale Auswirkungen
- strittige Eintragungen in Baubesprechungsprotokollen, Baubuch oder Bautagesberichten
- mündliche Anordnungen und unklare Vertretungsbefugnisse
- fehlende, verspätete oder unzureichende Mehrkostenanzeigen
- nicht bezifferbare Folgekosten und erforderliche Vorbehalte
- fehlende Leistungsbereitschaft oder strittige Möglichkeiten zur Schadensminderung
- Prüfung, Kürzung, Anerkennung oder Zurückweisung einer Mehrkostenforderung
Berechnung und Nachweis
Welche Modelle und Methoden stehen zur Verfügung?
Das Buch erläutert nicht nur Anspruchsgrundlagen, sondern stellt zahlreiche Berechnungs- und Nachweismodelle für die praktische Anwendung bereit. Dazu zählen unter anderem
- Ermittlung von Leistungsfristen aus Auftragswerten oder Leistungswerten
- Ermittlung von Vorgangsdauern aus Mengen, Aufwandswerten und Ressourcen
- Terminplanfortschreibung anhand des kritischen Wegs und der Pufferzeiten
- globale Leistungsintensität zur Anpassung der Leistungsfrist
- aktivitätsbezogene Terminfortschreibung anhand einzelner Vorgänge
- Anpassung von Zeitansätzen mittels Aufwands- und Leistungswerten
- Faktorverfahren zur Anpassung ursprünglicher Kalkulationszeitansätze
- Festpreistool zur Ermittlung des Festpreiszuschlags
- Preisumrechnung nach der ÖNORM B 2111
- Index- und Warenkorbmodelle
- Mittelwert-Index zur Bestimmung der Preisbasis
- Modell zur Anpassung von Festpreisen bei geänderter Leistungsfrist oder verändertem Leistungsgebirge
- Rückvalorisierung neuer Faktorpreise auf die Preisbasis des Vertrags
- analoge Kostenermittlung und Fortschreibung vorhandener Preisgrundlagen
- Kostenmodelle für fixe, variable, sprungfixe, semivariable und remanente Kosten
- Kostensplitting zur Aufteilung zusammengesetzter Kosten
- lineare und nichtlineare Kostenprofile
- Potenzmodell für nichtlineare Kostenverläufe
- Einzelstörungsnachweis
- repräsentativer Einzelstörungsnachweis
- Kennzahlmethode
- Stunden-Sollte-Ist-Vergleich
- Referenzstreckenmethode
- Berechnungsmodelle für Produktivitätsverluste und Mehrverbrauch
- Formeln für Mehrarbeit, Überstunden und veränderten Mittellohnpreis
- Modelle für Leistungsverdichtung und Leistungsverdünnung
- Modelle für verlorene Einarbeitung und diskontinuierliche Arbeitseinsätze
- Berechnung von Mehrkosten durch verringerte erlösbringende Arbeitszeit
- Modelle zur Bewertung außergewöhnlicher Witterung und saisonaler Verschiebungen
- Ko-Verursachungsprinzip bei überlagernden oder multikausalen Störungen
- Extraktion umgelegter Baustellengemeinkosten aus K2- und K3-Blättern
- Anpassungsmodelle für Baustellengemeinkosten bei verlängerter Leistungsfrist
- Cluster- und Kostenvariabilitätsmodelle für Baustellengemeinkosten
- Modelle zur Anpassung von Einheitspreisen bei Mengenabweichungen
- Berechnungsmodelle zur 20-%-Klausel
- detaillierte und pauschale Ermittlung des Nachteils bei Minderung oder Entfall von Leistungen
- Schnellberechnung zusätzlicher Vorfinanzierungskosten
- Modelle für Änderungen von Stahlbau- und Bewehrungsleistungen
Methodischer Aufbau
Vom Ereignis zur schlüssigen Forderung
Eine professionelle Mehrkostenforderung baut schrittweise aufeinander auf:
- vertragliche Ausgangslage und Bau-Soll feststellen
- tatsächliches Ereignis und Abweichung beschreiben
- Ursache und Risikozuordnung klären
- erforderliche Mitteilungen und Vorbehalte abgeben
- Leistungsbereitschaft und gesetzte Maßnahmen darstellen
- Auswirkungen auf Leistung, Produktivität, Kosten und Termine dokumentieren
- Kausalitätskette nachvollziehbar aufbauen
- ursprüngliche Preis- und Zeitgrundlagen feststellen
- Entgelt- und Fristanpassung methodisch herleiten
- Berechnung offenlegen und auf Plausibilität prüfen
- verbleibende Unsicherheiten und mögliche Folgewirkungen vorbehalten
Dieselbe Struktur unterstützt den AG bei der Prüfung. Sie zeigt, an welcher Stelle eine Forderung schlüssig ist, wo Nachweise fehlen und welche Auswirkungen tatsächlich aus dem Verantwortungsbereich des AG stammen.
2. Auflage 2026
Arbeitsmittel für die Praxis
Die zweite Auflage 2026 umfasst 1.520 Seiten, mehr als 370 Beispiele, mehr als 180 Anwenderhinweise sowie 30 Musterbriefe und Mustertexte. Zahlreiche Rechenbeispiele stehen zusätzlich als Excel-Vorlagen zur Verfügung.
Eine KI-gestützte Suche erleichtert das Auffinden von Problemstellungen, Begriffen, Fundstellen, Beispielen und Berechnungsmodellen. Das Buch wird damit nicht nur zur fachlichen Grundlage, sondern zu einem Arbeitsmittel für Ausschreibung, Vertragsgestaltung, Bauabwicklung, Nachtragsmanagement und Streitvermeidung.
In Kürze
Mehrkostenforderungen systematisch beherrschen
- Mehrkostenmanagement beginnt bei Ausschreibung, Vertrag und Terminplanung – nicht erst bei der Forderung.
- AG erhalten eine Arbeitsgrundlage zur Prävention, Steuerung und sachgerechten Prüfung.
- AN erhalten eine Methodik zum Erkennen, Sichern, Dokumentieren und Berechnen ihrer Ansprüche.
- Praxisfälle, Berechnungsmodelle und Nachweismethoden führen vom Ereignis zur prüffähigen Forderung.
- Beispiele, Anwenderhinweise, Mustertexte, Excel-Vorlagen und KI-Suche unterstützen die praktische Arbeit.