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Info 29 · Terminplanung und Projektsteuerung

Wie wird ein Terminplan erstellt?

Wie aus Leistungen, Vorgängen, Abhängigkeiten und Ressourcen ein belastbarer Terminplan entsteht.

Fachbeitrag · Terminplanung · Bauablauf · Netzplan · Projektsteuerung · kostenfrei

Stand: 15. August 2026

Ausgangsfrage

Ein Terminplan bildet den Bauablauf ab

Ein belastbarer Terminplan wird aus dem technisch möglichen und wirtschaftlich sinnvollen Bauablauf entwickelt. Beginn und Ende festzulegen und anschließend Balken dazwischen einzuzeichnen, genügt nicht.

Schritt 1

Leistungen strukturieren und Vorgänge bilden

Zunächst ist festzulegen, was, wo und wann ausgeführt werden soll. Diese drei Fragen bestimmen die Grundstruktur des Terminplans.

Arbeitsleistungen sind zu sinnvollen Vorgängen zusammenzufassen. Das Leistungsverzeichnis bietet dafür eine Grundlage, darf aber nicht schematisch übernommen werden. Es ist abrechnungsorientiert, der Terminplan hingegen prozessorientiert. Positionen können daher zu einem Vorgang zusammengefasst oder nach Arbeitsschritten, Bauabschnitten und Ausführungsorten geteilt werden.

Die erforderliche Gliederungstiefe richtet sich nach dem Zweck des Terminplans. Ein Projekt- oder Grobterminplan benötigt eine andere Struktur als ein Ausführungs-, Detail- oder Wochenplan. Ein zu grober Plan verdeckt Schnittstellen und Abhängigkeiten. Ein übermäßig detaillierter Plan verliert an Übersicht und Steuerungsfähigkeit. Es gilt, so detailliert wie nötig und so einfach wie möglich.

Schritt 2

Vorgangsdauern ermitteln

Die Vorgangsdauer wird aus Leistungsmenge, Aufwands- oder Leistungswert, einsetzbaren Ressourcen und verfügbarer Arbeitszeit abgeleitet. Wesentliche Erfahrungswerte sind rechnerisch zu plausibilisieren.

Zusätzlich sind Planungs- und Freigabeprozesse, Bestell- und Lieferzeiten, Trocknungs- und Aushärtezeiten, Witterung, Betriebsunterbrechungen und Baustellenlogistik zu berücksichtigen. Arbeitskalender, Feiertage und Stillstandszeiten müssen richtig hinterlegt sein.

Schritt 3

Bauablauf festlegen

Technologische Abhängigkeiten haben Vorrang. Hinzu kommen notwendige Vorleistungen, Wartezeiten und baupraktisch sinnvolle Reihenfolgen. Nässeempfindliche Arbeiten setzen etwa eine regendichte Gebäudehülle voraus. Schmutzverursachende Arbeiten sollen vor empfindlichen Oberflächenleistungen stattfinden.

Auch Transportwege, Einbringöffnungen, Hebezeuge, Arbeitsflächen und die mögliche Parallelität von Arbeiten können die Abfolge bestimmen. Planung, Beschaffung, Lieferung und Ausführung müssen zeitlich zusammenpassen.

Schritt 4

Abhängigkeiten erfassen und darstellen

Die festgelegten Abhängigkeiten sind im Terminplan durch Verknüpfung der Vorgänge abzubilden. Für jeden Vorgang werden eine eindeutige Bezeichnung, ein Ausführungsort, eine Dauer, der maßgebliche Arbeitskalender sowie die Beziehungen zu seinen Vor- und Nachliegern erfasst.

Abgesehen von Projektbeginn und Projektende sollte grundsätzlich kein Vorgang ohne Vorlieger oder Nachlieger bleiben. Anordnungsbeziehungen und erforderliche Zeitabstände müssen den tatsächlichen Bauablauf wiedergeben. Meilensteine kennzeichnen wichtige Ereignisse und haben keine eigene Dauer.

Offene Enden, Zirkelschlüsse, unbegründete Datumszwänge und negative Zeitabstände können die Berechnung verfälschen. Die vollständige logische Verknüpfung aller Vorgänge ist Voraussetzung eines verlässlichen Terminplans.

Ausführlich zu den baupraktischen und mathematischen Regeln der Verknüpfung siehe Kropik, (Keine) Mehrkostenforderungen beim Bauvertrag², Kapitel 5.3, Seiten 291 bis 302.

Schritt 5

Kritischen Weg und Pufferzeiten bestimmen

Der kritische Weg ist die längste Kette voneinander abhängiger Vorgänge und bestimmt die frühestmögliche Projektdauer. Pufferzeit ist jene Zeitspanne, um die ein nicht kritischer Vorgang verschoben oder verlängert werden kann, ohne das Projektende zu verändern.

Der kritische Weg und die Pufferzeiten können nur rechnerisch bestimmt werden, wenn die Vorgänge durchgängig und sachgerecht mit ihren Vor- und Nachliegern verknüpft sind. Auch Vorgangsdauern und Arbeitskalender müssen richtig erfasst sein. Erfahrene Praktiker können den voraussichtlichen kritischen Weg aus ihrer Kenntnis des Bauablaufs meist grob abschätzen. Eine solche Einschätzung ersetzt jedoch keine Netzplanberechnung.

Übliche Balkenpläne und Zeit-Weg-Diagramme sind häufig nicht mit einer vollständigen Verknüpfungslogik hinterlegt. In diesem Fall lassen sich der kritische Weg und die Pufferzeiten daraus nicht rechnerisch und verlässlich feststellen. Ein Balkenplan kann die Ergebnisse einer Netzplanberechnung darstellen, sofern ihm eine entsprechende Verknüpfung aller Vorgänge zugrunde liegt.

Pufferzeiten entstehen rechnerisch aus Vorgangsdauern und Abhängigkeiten. Sie sind von bewusst eingeplanten Reservezeiten zu unterscheiden. Pufferzeiten ermöglichen einen gleichmäßigeren Einsatz von Personal und Geräten und können Verzögerungen auffangen. Wird die Gesamtpufferzeit vollständig verbraucht, steigt jedoch das Terminrisiko und ein neuer kritischer Weg kann entstehen.

Schritt 6

Plausibilität prüfen und Ablauf optimieren

Abschließend ist zu prüfen, ob alle Leistungen und Wartezeiten erfasst, die Vorgangsdauern und Kalender plausibel sowie die Abhängigkeiten technisch richtig abgebildet sind. Darüber hinaus ist zu beurteilen, ob der Terminplan den später beauftragten AN einen wirtschaftlichen Ressourceneinsatz ermöglicht. Damit soll vermieden werden, dass eine ungünstige Terminplanung durch Kapazitätsspitzen, Stillstände oder erschwerte Arbeitsabläufe die Angebotspreise unnötig erhöht.

Im Zuge der Optimierung ist insbesondere zu prüfen, ob

  • Kapazitätsspitzen durch Verschieben oder Verlängern nicht kritischer Vorgänge geglättet werden können;
  • unnötige zeitliche oder räumliche Kollisionen mehrerer Gewerke vermieden werden;
  • Leistungen in zweckmäßige Bauabschnitte oder Takte gegliedert sind;
  • kontinuierliche Arbeitsabläufe ermöglicht und Unterbrechungen, Rücksprünge sowie kleinteiliges Arbeiten reduziert werden;
  • der Einsatz von Personal, Geräten und Kranen möglichst gleichmäßig gestaltet werden kann;
  • Transportwege, Lagerflächen, Einbringöffnungen und Arbeitsflächen zeitlich aufeinander abgestimmt sind;
  • Planlieferungen und Freigabeprozesse rechtzeitig berücksichtigt sind;
  • störungsanfällige und nahezu kritische Vorgänge frühzeitig erkannt und ausreichend terminlich abgesichert sind;
  • Parallelleistungen auf gegenseitige Behinderungen sowie Qualitäts- und Sicherheitsrisiken geprüft und mit dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan) abgestimmt sind.

Bei jeder Anpassung sind die zuvor beschriebenen Arbeitsschritte erneut zu beachten. Insbesondere sind Vorgangsdauern, Abhängigkeiten, kritischer Weg, Pufferzeiten und Ressourceneinsatz neuerlich zu prüfen. Der optimierte Terminplan ist mit einem eindeutigen Stichtag zu berechnen und anschließend laufend mit dem tatsächlichen Ablauf abzugleichen.

In Kürze

Die wesentlichen Planungsregeln

  • Ein belastbarer Terminplan bildet den technisch möglichen und wirtschaftlich sinnvollen Bauablauf ab.
  • Arbeitsleistungen sind zweckgerecht zu Vorgängen zusammenzufassen; deren Dauern müssen aus Mengen, Leistungsansätzen, Ressourcen und Arbeitszeiten plausibel abgeleitet werden.
  • Abhängigkeiten sind durch eine vollständige und sachgerechte Verknüpfung der Vorgänge abzubilden.
  • Kritischer Weg und Pufferzeiten können nur auf Grundlage einer entsprechend verknüpften Netzplanberechnung verlässlich bestimmt werden.
  • Die Optimierung soll einen wirtschaftlichen Ressourceneinsatz ermöglichen und Kapazitätsspitzen, Stillstände, Kollisionen und unnötige Arbeitsunterbrechungen vermeiden.
  • Jede wesentliche Anpassung erfordert eine neuerliche Prüfung und Berechnung des Terminplans.