Von den Kosten zum Preis
Kosten und Angebotspreis sind nicht identisch
Was kostet eine Bauleistung und welcher Preis soll dafür angeboten werden? Diese beiden Fragen sind nicht identisch. Kosten entstehen durch den Einsatz von Personal, Material, Geräten, Fremdleistungen und Kapital. Der Preis muss zusätzlich Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn berücksichtigen, wird letztlich aber auch durch Markt, Wettbewerb und Angebotsstrategie bestimmt.
Eine aussagekräftige Baukalkulation setzt daher mehr voraus als das Ausfüllen von K-Blättern. Kostengrundlagen müssen aus der betrieblichen Kostenrechnung abgeleitet, den richtigen Kostenträgern zugeordnet und auf die voraussichtliche Leistungserbringung übertragen werden. Erst danach können Angebotspreise gebildet, geprüft und wirtschaftlich beurteilt werden.
Das Buch Baukalkulation, Kostenrechnung und ÖNORM B 2061 verbindet die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung mit der praktischen Kalkulation von Bauleistungen. Es erläutert, wie Kosten entstehen, wie sie sich bei veränderten Rahmenbedingungen verhalten, wie sie verrechnet und schließlich über die abgerechnete Bauleistung verdient werden.
Die ÖNORM B 2061:2020 und ihre Kalkulationsformblätter werden umfassend erläutert. Zahlreiche Beispiele zeigen die praktische Umsetzung für unterschiedliche Gewerke, Kostenarten und Kalkulationssituationen.
Kostenrechnung und Baukalkulation
Betriebliche Grundlagen auf das Projekt übertragen
Die Kostenrechnung liefert die Grundlagen für die Kalkulation. Sie erfasst die im Unternehmen entstehenden Kosten, ordnet sie Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträgern zu und stellt geeignete Verrechnungssätze und Zuschläge bereit.
Die Baukalkulation überträgt diese betrieblichen Grundlagen auf ein konkretes Projekt. Dazu müssen insbesondere
- die vorgesehene Leistungserbringung und das Produktionsverfahren,
- die benötigten Ressourcen und Mengen,
- die Aufwands-, Leistungs- und Verbrauchsansätze,
- die direkten und indirekten Kosten,
- die projektbezogenen und unternehmensbezogenen Gemeinkosten,
- die vertraglichen und wirtschaftlichen Risiken sowie
- die Markt- und Wettbewerbssituation
berücksichtigt werden.
Das Buch zeigt damit nicht nur, wie ein Preis rechnerisch entsteht. Es erklärt auch, welche betrieblichen Daten dahinterstehen und unter welchen Voraussetzungen ein Kalkulationsansatz wirtschaftlich aussagekräftig ist.
Auftragnehmerseite
Nutzen für den AN
Auftragnehmer (AN), Kalkulation, Bauleitung, Controlling und Unternehmensführung erhalten eine Arbeitsgrundlage, um
- Kostenrechnung und Baukalkulation miteinander zu verbinden,
- betriebliche Ist-Daten in geeignete Kalkulationsgrundlagen zu überführen,
- direkte und indirekte sowie fixe und variable Kosten richtig zu unterscheiden,
- Personal-, Material-, Geräte- und Fremdleistungskosten sachgerecht zu ermitteln,
- Gemeinkosten verursachungsgerecht zuzuordnen oder umzulegen,
- K2-, K3-, K4-, K6- und K7-Blätter nachvollziehbar aufzubauen,
- Aufwandswerte, Leistungswerte und Verbrauchsansätze plausibel festzulegen,
- Baustellengemeinkosten, Geschäftsgemeinkosten und Kostenartengemeinkosten richtig zu erfassen,
- Wagnis, Gewinn, Finanzierungskosten und vertragliche Abzüge zu berücksichtigen,
- Vollkosten-, Teilkosten- und Deckungsbeitragsrechnung zielgerichtet einzusetzen,
- Festpreise, Pauschalpreise und Regiepreise sachgerecht zu kalkulieren,
- Angebotsstrategien unter Berücksichtigung von Markt und Auslastung zu entwickeln,
- die Kalkulation für Arbeitsvorbereitung und Projektcontrolling aufzubereiten und
- Angebotspreise im Rahmen einer vertieften Angebotsprüfung betriebswirtschaftlich zu erklären.
Eine Kalkulation ist nicht bereits deshalb richtig, weil die K-Blätter rechnerisch geschlossen sind. Entscheidend ist, ob die angesetzten Werte zur vorgesehenen Leistungserbringung, zur Kostenstruktur des Unternehmens und zum übernommenen Risiko passen.
Auftraggeberseite
Nutzen für den AG
Auftraggeber (AG), Planer und mit der Angebotsprüfung befasste Personen erhalten das erforderliche Verständnis, um
- Aufbau und Aussagekraft der Kalkulationsformblätter nach ÖNORM B 2061 zu verstehen,
- Kosten, Preise, Zuschläge, Umlagen und Verrechnungssätze voneinander abzugrenzen,
- die Zusammensetzung von Personal-, Material-, Geräte- und Fremdleistungspreisen nachzuvollziehen,
- unterschiedliche Methoden der Gemeinkostenverrechnung richtig einzuordnen,
- auffällige oder widersprüchliche Kalkulationsansätze zu erkennen,
- die Plausibilität von Aufwandswerten, Leistungswerten und Verbrauchsansätzen zu beurteilen,
- Baustellengemeinkosten, Geschäftsgemeinkosten, Wagnis und Gewinn sachgerecht zu hinterfragen,
- Angebote im Rahmen der allgemeinen und vertieften Angebotsprüfung zu analysieren,
- betriebswirtschaftliche Erklärungen des Bieters fachlich zu bewerten,
- Fehlinterpretationen einzelner K-Blatt-Werte zu vermeiden und
- Preisaufschlags- und Preisnachlassverfahren sowie deren Risiken zu verstehen.
Die Prüfung eines Angebots ist keine Nachkalkulation mit unterstellten Standardwerten. Betriebliche Kostenstrukturen, Auslastung, Beschaffungsmöglichkeiten, Produktionsverfahren und Angebotsstrategien können zu unterschiedlichen, aber jeweils plausiblen Ergebnissen führen.
Zentrale Fragestellungen
Welche Fragen stellen sich bei der Kalkulation?
Kosten verstehen und zuordnen
- Was unterscheidet Ausgabe, Aufwand und Kosten sowie Einnahme, Ertrag und Leistung?
- Welche Kosten sind direkt oder indirekt, fix oder variabel sowie projekt- oder unternehmensbezogen?
- Wie verändern sich Kosten bei unterschiedlicher Beschäftigung, Produktionsmenge oder Leistungsintensität?
- Wie sind Leer- und Nutzkosten, Kostenremanenz und Opportunitätskosten zu behandeln?
- Nach welchen Grundsätzen werden Kosten auf Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger verteilt?
Angebot vorbereiten
- Soll eine Ausschreibung bearbeitet werden und welcher Aufwand ist dafür gerechtfertigt?
- Welche Besonderheiten des Projekts, des Vertrags und des Wettbewerbs beeinflussen die Preisstrategie?
- Sind Vollkosten, Teilkosten oder Deckungsbeiträge für die Entscheidung maßgeblich?
- Welche Kostengrundlagen müssen aus Kostenrechnung, Personalverrechnung, Einkauf und Geräteverwaltung übernommen werden?
- Wie wird aus der Angebotskalkulation eine verwendbare Auftrags- und Arbeitskalkulation?
Kostenarten kalkulieren
- Wie werden Mittellohnkosten und Mittellohnpreis aus Kollektivvertrag, Zulagen, Neben- und Gemeinkosten entwickelt?
- Wie sind Materialverbrauch, Einkaufspreis, Transport, Nebenmaterial und Hilfsmaterial zu berücksichtigen?
- Welche Abschreibungs-, Reparatur-, Kapital- und Betriebskosten verursachen Baugeräte?
- Wie werden Fremdleistungen, Subunternehmerpreise, Kapitalkosten und sonstige Kosten erfasst?
- Welche Kosten gehören zu den Einzelkosten, Baustellengemeinkosten oder Geschäftsgemeinkosten?
Gemeinkosten und Gesamtzuschlag bilden
- Wann sind Zuschläge, Umlagen oder Verrechnungssätze zweckmäßig?
- Wie werden Personal-, Material-, Geräte- und Fertigungsgemeinkosten ermittelt?
- Welche Kosten sind als einmalige oder zeitgebundene Baustellengemeinkosten zu erfassen?
- Wie werden Geschäftsgemeinkosten, Finanzierungskosten, Wagnis und Gewinn angesetzt?
- Wie werden die Bestandteile des Gesamtzuschlags im K2-Blatt nachvollziehbar dargestellt?
Bauleistungen und Preise kalkulieren
- Wie werden Aufwandswerte, Leistungswerte und Verbrauchsansätze ermittelt?
- Wie sind Positionen mit mehreren Arbeitsvorgängen, Kostenarten oder Mittellohnpreisen aufzubauen?
- Wie werden Festpreis-, Pauschalpreis-, Aufzahlungs- und Regiepositionen kalkuliert?
- Wie werden Baustellengemeinkosten auf Positionen, Preisanteile oder produktive Stunden umgelegt?
- Wie werden die Ergebnisse im K7-Blatt zusammengeführt und zum Einheitspreis verdichtet?
Angebot prüfen und Projekt steuern
- Sind die Kalkulationsansätze vollständig, widerspruchsfrei und rechnerisch nachvollziehbar?
- Sind die Preise kostendeckend oder aus einer vertretbaren Angebotsstrategie erklärbar?
- Wie kann ein ungewöhnlich niedriger oder hoher Preis betriebswirtschaftlich aufgeklärt werden?
- Wie wird die Angebotskalkulation für Arbeitsvorbereitung, Soll-Ist-Vergleich und Bauerfolgsrechnung nutzbar gemacht?
- Welche Erkenntnisse liefern Abweichungen zwischen kalkulierten und tatsächlich angefallenen Kosten?
Kostenrechnung und Preisbildung
Welche Methoden und Modelle bietet das Buch?
Das Buch erläutert neben der Kalkulation nach ÖNORM B 2061 zahlreiche Methoden der Kostenrechnung und Preisbildung. Dazu zählen insbesondere
- Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung,
- Divisions- und Äquivalenzziffernkalkulation,
- einfache und differenzierende Zuschlagskalkulation,
- Verrechnungssatzkalkulation,
- Prozesskostenrechnung,
- Zielkostenkalkulation und Benchmarkcosting,
- Ist-, Normal- und Plankostenrechnung,
- Vollkosten- und Teilkostenrechnung,
- Deckungsbeitragsrechnung,
- Auflösung fixer und variabler Kosten,
- High-Point-Low-Point-Methode,
- Streupunktdiagramm-Methode und Kostensplitting,
- Ermittlung von Personalnebenkosten aus der Personalverrechnung,
- Mittellohnpreis- und Gehaltskostenkalkulation,
- Abschreibungs- und Gerätekostenmodelle,
- Berechnung von Bauzinsen und Finanzierungskosten,
- Ermittlung von Kostenartengemeinkosten und Geschäftsgemeinkosten,
- Kalkulation und Umlage von Baustellengemeinkosten,
- Risikoanalyse und kalkulatorisches Wagnis,
- Kalkulation von Festpreis- und Pauschalpreisangeboten,
- Kalkulation von Regielohn, Regiematerial und Regiegeräten,
- Kalkulation im Preisaufschlags- und Preisnachlassverfahren,
- allgemeine und vertiefte Angebotsprüfung sowie
- Bauerfolgsrechnung und projektbezogene Abgrenzungen.
ÖNORM B 2061:2020
Die K-Blätter verstehen und anwenden
Die Kalkulationsformblätter der ÖNORM B 2061 bilden unterschiedliche Ebenen der Preisermittlung ab. Das Buch erläutert ihre Funktion und ihr Zusammenwirken:
- das K2-Blatt für den Gesamtzuschlag,
- das K3-Blatt für die Personalpreiskalkulation,
- das K4-Blatt für Materialpreise,
- das K6-Blatt für Gerätepreise und
- das K7-Blatt als zentrales Blatt der Positionskalkulation.
Die Formblätter werden nicht isoliert betrachtet. Erklärt wird auch, aus welchen betrieblichen Daten ihre Werte entstehen, welche Kosten hinter den einzelnen Ansätzen stehen und wie Zuschläge und Umlagen auf die Kalkulationsobjekte übertragen werden.
Ausführliche K3-Beispiele behandeln unter anderem Bauindustrie und Baugewerbe, Stahlbau und Schlosserei, Elektroarbeiten sowie Trockenbau. Weitere Beispiele zeigen Material-, Geräte-, Fremdleistungs-, Regie- und Positionskalkulationen.
Arbeitsmittel für die Praxis
Beispiele, Exkurse und Musterkalkulation
Das Werk umfasst mehr als 800 Seiten, 79 ausführliche Beispiele und 21 vertiefende Exkurse. Eine vollständige Musterkalkulation zeigt das Zusammenwirken der einzelnen Kalkulationsstufen und Formblätter.
Weitere Kalkulationsansätze betreffen zahlreiche Gewerke und Leistungsbereiche, darunter Baustelleneinrichtung, Erdbau, Spezialtiefbau, Beton- und Stahlbetonarbeiten, Mauerwerk, Abdichtung, Trockenbau, Elektroarbeiten, Heizung und Sanitär sowie Stahlbau.
Damit ist Baukalkulation, Kostenrechnung und ÖNORM B 2061 ein Arbeitsmittel für Kostenrechnung, Angebotskalkulation, Auftragskalkulation, Arbeitsvorbereitung, Preisprüfung und Projektcontrolling.
In Kürze
Die wesentlichen Aussagen
- Das Buch verbindet betriebliche Kostenrechnung und praktische Baukalkulation.
- Es erläutert die ÖNORM B 2061:2020 und das Zusammenwirken der Kalkulationsformblätter.
- Kostenarten, Gemeinkosten, Wagnis, Gewinn und Finanzierungskosten werden systematisch behandelt.
- AN erhalten eine Grundlage für Kalkulation, Angebotsstrategie, Arbeitsvorbereitung und Projektcontrolling.
- AG können Kalkulationsansätze und betriebswirtschaftliche Erklärungen sachgerecht beurteilen.
- 79 ausführliche Beispiele, 21 Exkurse und eine vollständige Musterkalkulation unterstützen die praktische Anwendung.