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Info 25 · Baukalkulation und Kostenrechnung

Kennen Sie die Kosten einer Leistungseinheit tatsächlich?

Warum sich eine scheinbar einfache Frage nicht exakt beantworten lässt.

Kurzinfo · Baukalkulation · Kostenrechnung · ÖNORM B 2061:2020 · Gemeinkosten · Deckungsbeitrag · Webinar 04 · kostenfrei

Stand: 12. August 2026

Eine banale Frage ohne einfache Antwort

Von den Einzelkosten zu den Gesamtkosten

Wie hoch sind die Kosten für einen Quadratmeter Mauerwerk, einen Kubikmeter Beton oder eine Arbeitsstunde?

Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: Der erwartete Verbrauch an Personal, Material und Geräten wird mit den jeweiligen Kosten je Einheit multipliziert. Damit lassen sich die direkt zuordenbaren Kosten einer Leistungseinheit ermitteln.

Die gesamten Kosten sind damit aber noch nicht bekannt. Zusätzlich müssen Gemeinkosten berücksichtigt werden. Gerade deren Zurechnung zeigt, weshalb die Kosten einer Leistungseinheit keine unveränderliche und objektiv feststehende Größe sind.

Die direkt zuordenbaren Kosten ergeben sich insbesondere aus

  • Personalstunden × Personalkosten je Stunde;
  • Materialverbrauch × Materialkosten je Einheit;
  • Geräteeinsatz × Gerätekosten je Stunde und
  • Fremdleistungen je Leistungseinheit.

Bereits diese Ansätze beruhen auf Erwartungen über die zukünftige Leistungserbringung. Die Kalkulation muss Annahmen über Produktivität, Verbrauch, Einkaufspreise und Geräteeinsatz treffen. Hinzu kommen jene Gemeinkosten, die einer einzelnen Leistung nicht unmittelbar zugerechnet werden können.

Geschäftsgemeinkosten

Der GGK-Zuschlag ist ein Planwert

Der Geschäftsgemeinkostenzuschlag wird aus dem geplanten GGK-Aufwand und einer geplanten betrieblichen Bezugsgröße abgeleitet. Eine wesentliche Planungsgröße ist regelmäßig der erwartete Gesamtumsatz beziehungsweise die erwartete Jahresleistung des Unternehmens.

Beide Größen betreffen die Zukunft:

  • Wie hoch werden die Geschäftsgemeinkosten tatsächlich sein?
  • Welcher Umsatz oder welche sonstige Verrechnungsbasis wird tatsächlich erreicht?

Der daraus gebildete GGK-Zuschlag ist kein gemessener Kostenanteil einer bestimmten Leistung. Er ist ein Planwert, mit dem ein erwarteter Gemeinkostenblock auf die erwarteten Aufträge verteilt wird.

Planabweichung

Die gleiche Leistung kann unterschiedlich zum Ergebnis beitragen

Umsatz über Plan

Zusätzliche Deckungsbeiträge

Übersteigt der tatsächlich erzielte Gesamtumsatz die Planung, ohne dass sich der GGK-Aufwand entsprechend erhöht, werden über die zusätzlichen Leistungen weitere GGK-Deckungsbeiträge erwirtschaftet. Der Auftrag kann damit einen höheren Beitrag zum Unternehmensergebnis leisten als erwartet. Seine direkt verursachten Kosten müssen sich nicht verändert haben.

Umsatz unter Plan

Unterdeckung der GGK

Wird der geplante Gesamtumsatz nicht erreicht, werden weniger GGK-Deckungsbeiträge erwirtschaftet. Bleibt der GGK-Aufwand unverändert, entsteht eine Unterdeckung. Auch dann können die direkt zuordenbaren Kosten des Auftrags richtig kalkuliert worden sein; das tatsächliche Betriebsergebnis fällt dennoch ungünstiger aus.

Die gleiche Leistung und derselbe angebotene Preis können daher – abhängig vom gesamten Geschäftsverlauf – zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen führen.

Unterschiedliche Größen

Plankosten, Istkosten und Preis sind zu unterscheiden

Bei Angebotsabgabe können nur Plankosten angesetzt werden. Die Kalkulation ist ein Blick in die Zukunft und beruht auf sachlich begründeten Annahmen.

Erst nach der Leistungserbringung und regelmäßig erst nach Abschluss der Abrechnungsperiode lässt sich feststellen,

  • welche direkten Kosten tatsächlich entstanden sind;
  • wie hoch die Gemeinkosten tatsächlich waren;
  • welche betriebliche Bezugsgröße erreicht wurde und
  • ob die geplanten Gemeinkostendeckungen erwirtschaftet wurden.

Auch die nachträgliche Ermittlung führt nicht zu einer vollkommen objektiven Kostengröße. Das Ergebnis hängt weiterhin davon ab, nach welchem Kostenrechnungssystem Gemeinkosten abgegrenzt und verteilt werden.

Der Preis ist davon nochmals zu unterscheiden. Er enthält neben den angesetzten Kosten insbesondere kalkulatorische Ansätze für Wagnis und Gewinn. Kosten einer Leistungseinheit und Preis einer Leistungseinheit sind daher nicht gleichzusetzen.

Warum Kostenvergleiche häufig zu kurz greifen

Ein Vergleich von Einheitspreisen zeigt nicht unmittelbar, welches Unternehmen niedrigere Kosten hat. Unterschiedliche Preise können auf andere Leistungs- und Verbrauchsannahmen, verschiedene Kostenstrukturen und Gemeinkostenzuordnungen, ein unterschiedliches Beschäftigungsniveau, andere Wagnis- und Gewinnansätze oder eine abweichende Preisstrategie zurückzuführen sein.

Wer die Kosten einer Leistungseinheit beurteilen will, muss daher zuerst klären, welcher Kostenumfang, welcher Bezugszeitraum und welches Kostenrechnungssystem gemeint sind.

Kostenfreier Einstieg

Die Frage in 13 Minuten erklärt

Der Videobeitrag „Wissen Sie, wie hoch die Kosten einer Leistungseinheit tatsächlich sind?“ führt in diese Zusammenhänge ein. Er behandelt das Preisparadoxon, die Preisprüfung nach dem BVergG sowie Bezüge zur ÖNORM B 2110 und zur Preisanpassung.

Kostenfreien Videobeitrag auf YouTube ansehen ↗

Kostenpflichtiges Gesamtwebinar

Webinar 04 – Baukalkulation und ÖNORM B 2061

Der kostenlose Videobeitrag ist der Einstieg in das kostenpflichtige Gesamtwebinar. Dieses vermittelt Baukalkulation nicht nur als Ausfüllen von K-Blättern, sondern als geschlossenes betriebswirtschaftliches und kalkulatorisches System.

Die 33 Beiträge mit insgesamt rund 11,5 Stunden behandeln Kostenbegriffe und Kostenverhalten, Kostenrechnung und Zuschlagskalkulation, Einzel- und Gemeinkosten, Gesamtzuschlag und K2-Blatt, Vorfinanzierung und Festpreise, Material- und Gerätekosten, K7-Blatt, Fremdleistungen, Baustellengemeinkosten, Regiepreise, Bestbieterkriterien und die zielsichere Preisfindung.

Beispiele und Tool-Anwendungen stellen den unmittelbaren Bezug zur Kalkulationspraxis her. Die vollständige Personalkostenkalkulation wird gesondert im kostenfreien Webinar 01 behandelt.

33 Beiträge11,5 Stundenflexibel abrufbar

In Kürze

Die wesentlichen Aussagen

  • Die direkt zuordenbaren Kosten sind nur ein Teil der Kosten einer Leistungseinheit.
  • Aufwands- und Verbrauchsansätze beruhen auf Erwartungen über die zukünftige Leistungserbringung.
  • Der GGK-Zuschlag ist ein Planwert.
  • Wird die geplante betriebliche Bezugsgröße ohne entsprechenden Anstieg der GGK überschritten, entstehen zusätzliche GGK-Deckungsbeiträge.
  • Wird sie unterschritten, entsteht bei unverändertem GGK-Aufwand eine Unterdeckung.
  • Plankosten, tatsächlich entstandene Kosten und Preis sind zu unterscheiden.
  • Die Kosten einer Leistungseinheit hängen auch vom gewählten Kostenrechnungssystem und vom gesamten Geschäftsverlauf ab.